Ekelrede 2001 - Alexander Heinz
 
Hui Wäller?
 
Zum Einstieg well ich kurz drei Dinge saan:
Ich bin dat zwote Mo Ekel, heißen Alexander Heinz und fängen direkt mit der Rede aan:
Euch all heut he begrüßen zu dürfen – dat es werklich schün,
so vill Leut hät da Aale Maart in den letzten Monaten insgesamt net gesehen.
Ussre schöne Innenstadt: Oh Gott, oh graus:
Do sieht et schon seit längerem gar net mie so rosig aus.
Früher sin wahre Menschenmassen durch de Wilhelmstraße
off den Aalen Maart gerannt,
heut wird da Maatplatz im Volksmund schon frotzelnd
„Platz des himmlischen Friedens“ genannt.
Um sich dem Aussterben der Innenstadt entgegenzustellen – mit List und Tücke,
praktiziert man he net „mahlen nach Zahlen“, sondern „bauen nach Lücke“.
En neues Geschäftshaus kommt he owwen hin,
mit Wohnungen unner Fläche für Geschäftsleute drin.
Ne tolle Idee, ich lobe die Zuständigen sehr:
Dat Problem iss: He stiehn noch genuch alte Geschäftsräume leer.
Vielleicht wird dat innerstädtische Pflaster durch bessere Konditionen interessant,
ansonsten zieht man sicher keene neuen Geschäftsleute an Land.
Die Innenstadt wird och durch geringe Konsumentenzahlen geplagt,
-mir sin noch net beim Thema parken- awwer vielleicht sollte ma en für Kfz doch wirrer öffnen, den Aalen Maat.
Mir es egal wie ihr et macht, ich knie mich sogar he für Euch hin,
awwer bitte gifft ussrer Innenstadt möglichst bald werrer en Sinn.
 
Hinzu kommt:
Hachenburg erstickt im Verkehrschaos
dank des brummenden Kreisels von Anfang Graf-Heinrich Straße bis weit hinnert Schloss,
Och die Autofahrer kommend von da Bornegass,
hann von halwer fünf bis viertel für sechs üwwerhaupt keenen Spass.
An da Kreuzung beim Ernst staut sich sogar soviel Gefährt,
dat Reizüberflutungs-Gefahr besteht – für ussren Sonnenwirt.
Woraus die tägliche Blechlawine resultiert,
dat schilder ich jetzt mo aus der Sicht eines Autofahrers ganz detailliert:
Mit meinem Auto komm´ ich von da Arbeit
un well in da Innenstadt schnell noch wat kaufen.
Schon kurz nach der Dreyer-Ampel stell ich fest:
„Ich wäre doch besser zu Fuß gelaufen!“
Kaum komm ich beim „Eis Café Havanna-Haus“ an,
gieht et wirrer keen Stück füran – jetzt steigt allmählich da Verdruss,
ich lass die annern Autos abbiegen, och den schweren Linienbus.
Hann ich wenigstens Zeit off dat fertiggestellte
„Knoff-Hoff-Bauexperiment“ der Kreissparkass zu blicken.
Üwwer en Jahr han die en neues Gebäude hochgezogen,
ohne dat alte abzureißen, ich frach mich, wie bei denen die Arbeitsuhren ticken.
Rückblickend die Bauphase betrachtet,
wird dat Ganze dem Klischee gerecht:
Die Paarung von Bankern und Handwerk
erzeugt ein undefinierbares Geschlecht.
Plötzlich wird von hinnen gehupt – ich sin wirrer voll da,
en Fahrzeug es dorch den Kreisel dorch, so,
dat ich mem Auto och eenen nach vorne fahr.
En Blick nach links – die Parkplätze am Neumarkt sind voll besetzt.
Fahr ich jetzt off dat Schlaglochfeld am Borchgarden,
orrer prowier ich et mit den Parklücken am Petz?
Awwer dat es ja noch lange net soweit,
als ich nach vorne guck zeigt sich, für diese Überlegung habe ich noch gaanz vill Zeit.
En Fußgänger no dem annern schlendert üwwer den Zebrastreifen,
wat dafür sorgt, dat die Köppe der Autofahrer zu blutroten Tomaten reifen.
Bleiwt dann mo en Fußgänger off dem roten Stück zwischen den Zebrastreifen stiehn,
winkt prompt en unwissender Autofahrer zum Weitergiehn.
Programmierter Innenstadt-Stau sozusagen,
vom Fußgänger, üwwert KFZ bis zum Kinderwagen.
An die Leut´, die he die Infrastruktur verwalten, en Idee um den Stadtverkehr für us alle erträglicher zu gestalten:
Holt die Fußgänger von da Straße runner,
ob mit ner Brück owwen drüwwer, urrer ner Unnerführung unnendrunner.
Dat Problem lag schon in der Planungsphase, die war anscheinend so verzwickt,
dat man heute in der Praxis im Kreisel wahrlich die Kurve net mieh kriegt.
 
Damit man mit solchen Experimenten in Hachenburg keenen mie verschreckt, schlage ich zu Testzwecken die Altstadt vor – quasi als Versuchsobjekt.
Do iss dat ganze Jahr üwwer sowieso net vill passiert,
na gut, se han´ mit vill Liebe ihre Pappeln hochgezüchtet un se
anschließend wirrer brutal frisiert.
Un nen neuen Kermespräsidenten han´ se: En Aalstärrer dorch un dorch,
dä hät de Zeichen da Zeit erkannt und zog fort aus dem Jammertal, nach  Hachenburg.
Awwer wirrer weg von den „Altstädter Leuten“,
zum Autofahrer im Kreisel, der versucht die Parkplatzrichtungen zu deuten:
Ich fahr erst Richtung Petz – und siehe da,
hinner dem neuen Geschäftshaus mit ohne Bordstein
entsteht ein noch neueres Parkhaus – wunderbar.
Vergäßt mir dat aale Parkhaus net vor lauter Bauerei an dem neuen Gerät,
ihr wisst schon ich meine den Klotz der im Alexanderring steht.
Da üwwerlecht ma och schon üwwer 12 Jahr,
ob et renoviert urrer abgerissen wird – sehr sonderbar.
Off jeden Fall wird dat neue Dingen he 84 Stellplätze bieten – dat verrät mir en Schild,
nutzt mir nur im Moment herzlich wenig – jetzt wern ich bald wild.
Natürlich iss och am Petz keen freier Parkplatz mie vorhanden,
ich wünschte meen Auto hätte Flügel un ich könnte direkt fürm Rathaus landen.
Also steuer ich meine letzte Alternative an,
jetzt han´ ich awwer bald genuch.
Ich navigier men Auto üwwert Schlaglochfeld am Borchgarden,
und riskier waghalsig nen Achsenbruch.
Naja, würd´ et rään hät´ et mich noch schlimmer getroffen,
manch eener is he beim Autoaussteigen schon fast ersoffen.
Bis ich jetzt mo enkaafen war – ich guck besser gar net off de Uhr,
Parkplatzsuche in Hachenburg – eine wahre Tortur.
An dieser Stelle nemmen ich dem Autofahrer die Sicht,
wat folgt is in Sachen Parkplatz der traditionelle Ekelbericht.
Viele Monde sah ich üwwer die Hachenburger Prärie ziehen,
sieben flehende Ekel kommen und giehn.
Jedes Jahr wurd vom Bürgermeister versprochen:
„Dat könnt´ a auf jeden Fall noch dis Jahr erwarten.“
Ich hoff ich bin da letzte Ekel dä frächt:
„Wann wird a itz endlich gemacht, da Parkplatz unnerm Buchgarden?“
Bis Ende August wurd us dat dismo garantiert,
heut´ iss schon da 11., fracht lewwer mo beim Lidl nach,
die wissen wie en flotter Parkplatzbau funktioniert.
Ende August...da war doch noch wat,
nach 12 Jahren Amtszeit verlässt usser Bürjermeister als Staatsekretär de Stadt.
Äh bleiwt zwar in Hachenburg wohnen un läuft och weirer he rum,
awwer beruflich gieht et jetzt täglich zum Mainzer Umweltministerium.
Üwwer en Nachfolger well ich heut owend net spekulieren,
sonnern mich lewwer off de Verabschiedung vom Hendrik konzentrieren.
Ich well mich bei ihm bedanken, eh hät vill für de Stadt gemacht,
och wenn net alles so funktioniert hät, dä Mann hät einiges off de Reihe gebracht.
Für Deine Zukunft wünsche ich Dir alles gute – awwer ich raten Dir eins:
Vergäß ussre Stadt net, wenn se Hilfe braucht – da kannste sicher mo wat machen, von Deinem Stuhl aus in Mainz.
Ihr gebt mir sicher Recht: Die erzählten Ereignisse sind Kinoreif,
womit ich och schon zum letzten Punkt der Rede üwwergreif.
En Multiplex-Kino soll in Hachenburg entstiehn,
außer, dat dat vor den Toren des Bauhofs geschieht – wunderschien.
Angesichts des baulichen Fortschritts könnte man meinen,
dat sich he handwerklich de Stadt un de KSK vereinen.
Weit gefehlt – schon ab 1. November sollen Filme laufen,
da kann ich nur raten: Heizdecken un Wollmützen kaufen.
Von Kinosälen un ner Leinwand is noch lang nix zu sehen,
sieht so aus als müssten mir Hachenborjer bald in en Freiluft-Kino gehen.
Wenn do baulich in den nächsten Wochen nix passiert,
wird et halt einfach zum Auto-Kino deklariert.
Dat könnte ma dann eigentlich och toll im neuen Parkhaus machen,
ne Riesenleinwand off mehreren Etagen.
De Eintrittskarten gäw et nach Kreiselcheck an da Kreissparkass,
un als Hauptfilm würde laufen „Altstädter pflegen Schlaglochfeld“ – wat en Spaß.
Die letzten Worte würd da Hendrik sagen,
bevor er im Nebel nach Mainz verschwindet – mit seinem neuen Wagen.
Awwer dat war nur Fiktion,
he sin ma in da Realität.
Und jetzt gieht mit mir in dat Zelt – et es jo alt spät.
Drei Tage Kirmes wern gefeiert wie eins,
hört sich blöd an awwer reimt sich: Euer Ekel Alexander Heinz.
 
 
Hui Wäller?